Human Law

Unsere Welt ist größer geworden, also müssen wir lernen, in größeren Dimensionen zu denken und dies im Alltag zu leben!

Das globalisierte Zeitalter hat begonnen. Wir alle haben es gemeinsam zu gestalten, um im Frieden miteinander leben zu können.

Insbesondere brauchen wir zur gemeinsamen Bewältigung komplexer Herausforderungen des 21. Jahrhunderts Regelungen des Miteinanders, die sich sowohl an den Bedürfnissen des Einzelmenschen als auch an den Erfordernissen der Gesellschaft(en) orientierten. Dabei spielen elementare Menschenrechte, die innere Sicherheit, eine an den Bedürfnissen des Menschen orientierte Wirtschaft und die Empathie /Liebe als Schlüssel zu allem eine zentrale Rolle.

Vieles spricht dafür, dass unsere Gesellschaft heute zeitgleich

  • die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung im Rahmen des gesellschaftlichen Demokratie-Ideals in den Griff bekommen muss,
  • insbesondere mental verinnerlichen muss, dass sich unsere  innere und äußere Weltordnung innerhalb der letzten 30 Jahre ohne Resettaste verändert hat (Stichwort: Huntington. Kampf der Kulturen),
  • sich für die neue High-Tech Welt (i.S. des Transhumanismus) fit zu machen hat und
  • aufgrund der damit verbundenen (Über-)forderungen extrem aufpassen muss, um nicht in den düsteren Abgrund von Barbarei und Anarchie abzudriften.

Anzeichen für zivilgesellschaftliche Zerfallserscheinungen sind nicht mehr zu übersehen.  Human Law kann eine nachhaltige „flexible und anpassungsfähige Hängebrücke“ in der sog. Vuca Welt zur Überwindung von tiefen Gräben zwischen hergebrachten gesellschaftlichen Idealen, der neuen Weltordnung, neuen High-Tech-Dimensionen und Gefahren durch Barbarei sein. 

Aktuell besteht die oberste Aufgabe darin, die Gewalt in der Gesellschaft mit demokratischen Mitteln zurück zu drängen.

Unsere Gesellschaft steht vor riesigen Herausforderungen.

Es hat den Anschein, als sei der demokratische Rechtsstaat derzeit überfordert, alle ihm obliegenden zentralen Verfassungsaufträge adäquat zu erfüllen.

So ist der Rechtsstaat in Gefahr, wenn die Innere Sicherheit nicht mehr ausreichend mit demokratischen Mitteln gewährt werden kann. Leider scheinen extremistische Anschläge wie am Berliner Breitscheidplatz 2016, in Chemnitz 2018, in Halle 2019 und in Hanau 2020, Serien weiterer Verbrechen und ziviler Ungehorsam, wie der Sturm auf den Reichstag am 29. August 2020 nur die „Spitze“ eines Sumpfes von gesamtgesellschaftlichen Zerfallsprozessen zu sein. Und die Ankündigung der Politik mit mehr „Polizeipräsenz“ und „höheren Strafen“ reagieren zu wollen, einfallslose Bankrotterklärungen, die, wie Ohrfeigen und Stubenarrest in der Kindererziehung zwar Hass, Heimlichkeiten und Rückfall, nicht aber ein von Einsicht bestimmtes soziales Wohlverhalten fördern.

In meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Strafjuristin für sämtliche Arten von Straffälligkeit von der Klein- bis zur Schwerstkriminalität (Jugend-, Drogen-, Straßen-, Politische-, Hass-, Gewalt-, Sexual-, Umwelt- und Wirtschaftskriminalität, Vermögensdelikte, Korruption, Organisiertes- und Kapitalverbrechen) habe ich – insbesondere als Vorsitzende Richterin einer Jugendschwurgerichts- und einer Jugendschutzkammer – meist umfassend durch (Sozial-) Pädagogen, Psychologen, Fachärzte für Psychiatrie, Kriminologen und weitere Sachverständige unterstützt, Ursachen für strafbare Verhaltensweisen festgestellt, die bei den meisten Straftätern unserer Gesellschaft ähnlich sind:

Vorbildlosigkeit und gravierende Erziehungsmängel 

bis hin zur Verwahrlosung und mangelhafte Bildung führen Kulturen übergreifend zu Verrohung, fehlender (Opfer-)Empathie, fehlendem Verantwortungsbewusstsein und falschem Erleben von Realität (schuld sind immer die anderen). Unreflektiertes Ohnmachtsgefühl gepaart mit – auch durch Medien inspiriertes – Anspruchsdenken und Machtfantasien provozieren Neid, Hass und die Rechtfertigung, „sich das zu holen, was einem zusteht“.

Korruptionsfälle von Politikern, Sportfunktionären und sonst „Prominenten“ dienen dazu als Steilvorlagen.

Spätestens die Corona Pandemie hat sichtbar gemacht, dass wir ein schnell wirkendes, engmaschiges multifaktorielles Handlungskonzept zur Verbesserung der Inneren Sicherheit brauchen. Mit dem

ganzheitlichen, interdisziplinären Bildungs- und Erziehungsansatz „Globale Rechtspädagogik“/ „Human Law“

haben wir mit zahlreichen Wissenschaftlern und Praktikern nach und nach Möglichkeiten erarbeitet, um nachweisbar und nachhaltig Hass, Intoleranz, Fanatismus, Menschenverachtung, Rassismus und Gewalt sowie Vermögensdelikte einschließlich sonstiger Kriminalität eindämmen zu können.

Die Erpobung der Wirksamkeit von Human Law durch dreißig Jahre Erfahrung mit zahlreichen Praxisprojekten

Seit fast 30 Jahren haben im Rahmen der Jugendrechtshausbewegung sowie der Akademie für Rechtskultur und Rechtspädagogik – oft in Kooperation mit Bildungseinrichtungen, hunderte von Fachkräften (Richter, Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Polizeibeamte, Psychologen, Erzieher(innen), Lehrkräfte, Dipl. – und Sozial-Pädagogen, Sozialarbeiter, Bewährungshelfer, Ärzte, Hochschullehrer, Abgeordnete) in insgesamt tausenden von – überwiegend ehrenamtlichen – Stunden Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden Rechts- und Demokratiebewusstsein sowie Rechtskenntnisse auf rechtspädagogischer Basis vermittelt und rechtspädagogische Projekte mit ihnen durchgeführt, die eine messbar positive nachhaltige Wirkung im Sozialverhalten zeigten. Sie haben in Schulen aller Art (einschließlich Förder- und Berufsschulen), in Gerichtssälen, in Jugendrechtshäusern und sonstigen Jugendeinrichtungen, bei 10-tägigen europäischen „Schools of Human Law“, in Rathäusern und an anderen Orten Rechtskunde einschließlich Menschenrechte unterrichtet und Partizipation gelehrt, tagespolitisches Geschehen diskutiert, rechtspädagogische Theaterspiele, wie Tilly-Timber-Szenen  eingeübt, original getreue Gerichtsverhandlungen und Robinson-Spiele gespielt, Infoveranstaltungen und Mitmach-Autorenlesungen sowie  sozialpädagogische Begleitungen durchgeführt, echte Streitigkeiten – auch zwischen Tätern und Opfern – geschlichtet, misshandelte und missbrauchte Kinder beraten, kostenlose Rechtsberatung erteilt und ihnen bei Gericht kostenfrei Beistand gewährt. Viele unserer Mitwirkenden haben mit delinquenten Kindern und Jugendlichen; teilweise im Jugendvollzug gearbeitet. Beraten wurden verzweifelte Eltern, Großeltern und Lehrkräfte, Ausbildungsleiter. 

Zu den besonders beliebten Human Law Projekten zählen:

  • Robinson-Spiel (Schiffbrüchige aus vielen Kulturen regeln ihr Zusammenleben).
  • Tilly Timber auf Megaland. Lesungen und Theateraufführungen.
  • Tilly Timber auf dem Sirius. Lesung mit Schülermoderation.
  • Internationale Malwettbewerbe zu den 21 rechtspädagogischen Regeln.
  • Gespielte Gerichtsverhandlung unter einem Baum.
  • Ernährung, Lernerfolge und Verhalten. Lehrstunden für Schüler und Lehrkräfte.
  • European School of Human Law mit Schulklassen aus mehreren europäischen Staaten. Schulklassen aus mehreren Staaten lernen sich, ihre jeweiligen Kulturen, Sprachen und gemeinsamen Regeln bei Klassenfahrten kennen.
  • Angestrebt: International School of Human Law mit Schülern aus aller Welt.

Weitere ganzheitliche Projekte findet man im  Programm International Conference of Human Law .

Programm für Mehrheits- und Intensivtäter

In dem vom Europäischen Sozialfonds „Haftvermeidung durch soziale Integration“ (HSI) für Mehrfach- und Intensivtäter geförderten „Crashkurs im Zusammenhang mit der Hauptverhandlung. Auf der Suche nach Identität“ ist es über viele Jahre gelungen, die Rückfallquote von sonst über 70 % auf unter 8% zu reduzieren. Der Crashkurs wurde zudem vom Ministerium der Justiz des Landes Brandenburg gefördert. Mehr Infos auf Lehrtätigkeit Universitäten, S. 15 und 070302 Doku JGTag S1-15

Die Praktische Umsetzung von Rechtspädagogik/ Human Law im regionalen Jugendrechtshaus

Das Modell des Jugendrechtshauses wurde von mir im Jahr 1996 in Oldenburg ins Leben gerufen, wo wir im Dezember 1996 das erste Jugendrechtshaus gründeten.

Jugendrechtshäuser unterstützen den Staat als niederschwellige regionale Präventions- und Integrationseinrichtungen auf rechtspädagogischer Basis.

Sie sind Börsen rund um das Recht, in denen jungen Menschen Rechts- und Wertebewusstsein sowie Rechtskenntnisse mit Hilfe von Human Law / Rechtspädagogik vermittelt werden, um sie zukunftsfähig zu machen. Sie arbeiten insbesondere als Rechts-, Demokratie- und Integrationsschulen, Orientierungsstätten und Vertrauenspartner für Kinder, Jugendliche, (Groß-) Eltern, Erzieher und Lehrkräfte in der interkulturellen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts.

Im Mai 2002 haben wir in Berlin den Bundesverband der Jugendrechtshäuser Deutschland gegründet.

Einzelheiten zu einem Jugendrechtshaus ergeben sich aus dem Buch Das Jugendrechshaus 2000 sowie den beiden Infoblättern Jugendrechtshäuser und Merkblatt zur Gründung eines Jugendrechtshauses

Die 21 Regeln der Rechtspädagogik

21 Rules of Human Law

Im Zentrum von Wissenschaft und Praxis von Human Law stehen die 21 rechtspädagogischen Regeln. Diese wurden u.a. ilustriert,

für die Zielgruppe Multiplikatoren von dem früheren Berliner Rechtsanwalt und Karikaturisten Philipp Heinisch

und für die Zielgruppe Kinder bis 14 Jahren von der bekannten Kinderbuchillustratorin Gertrud Zucker, Bad Saarow.

 

Globale Rechtspädagogik/ Human Law bedeutet:

eine an den Bedürfnissen des Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt orientierte Methode, die dazu beiträgt, die Internationalen Menschenrechte (Human Rights) einschließlich der Kinderrechte mit Hilfe des ethisch-moralischen Verhaltenskodex der 21 Regeln der Rechtspädagogik (21 Rules of Human Law) so in den Alltag der internationalen Zivilgesellschaft vom Elternhaus bis zum Parlament umzusetzen, dass sie ohne Identitätsverlust von jedermann – egal welcher sozialer und kultureller Herkunft – verstanden und möglichst freiwillig eingehalten und auch von staatlichen Einrichtungen befolgt werden.

Kulturen übergreifender ethisch-moralischer Grundkonsens

Human Law beinhaltet einen interdisziplinären, Kulturen übergreifenden ethisch-moralischen Grundkonsens sowie einen Erziehungs-, Bildungs- und Integrationsansatz, der Menschen von klein auf mental auf ein friedliches Zusammenleben in der internationalen, demokratischen Gesellschaft auf Augenhöhe vorbereitet, ohne dass sie befürchten müssen, ihre jeweiligen kulturellen Wurzeln, moralischen Vorstellungen und ihren Lebensstandard zu verlieren.

Dabei wird das Recht i.S.d. Menschenrechtskonvention von 1948 als zentrales Element unseres Zusammenlebens, als Instrument der Schwachen und als Garant für demokratische Strukturen sowie für innere Sicherheit verstanden.

Globale Rechtspädagogik/ Human Law  kann effektiv zur Beschränkung gesellschaftlicher Zerfallsprozesse beitragen.

Globale Rechtspädagogik/ Human Law: Vom Präventionsprojekt zum Universitätslehrfach

Aus dem Human-Law-Konzept ist das in den letzten 25 Jahren maßgeblich von mir  empirisch erarbeitete und gelehrte (Universitäts-) Lehrfach „Globale Rechtspädagogik“ / „Human Law“ erwachsen:

Gelehrt an den Universitäten Cottbus 2006-2015, Warschau seit 2009 in der von dem polnischen Hochschullehrer Dr. Darisuz Schmidt ausgeprägten Form und Medenine (Tunesien) 2015-2017  in der von der Hochschullehrerin Ina Khiari-Loch entwickelten Form. Einzelheiten: Lehrtätigkeit Universitäten

Abschied der Wissenschaftler von der International Conference of Human Law, 7. Juni 2013 vor der Universität Cottbus

Prominente Stimmen zu Human Law

In dem Bericht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) „Globale Regeln für die globalisierte Gesellschaft“ über den Austausch von Wissenschaftlern aus Deutschland und Tunesien heißt es: „Der Austausch der deutschen und tunesischen Juristen, Kultur- und Geisteswissenschaftler über Rechtspädagogik während einer ersten Anbahnungsreise der deutschen Projektpartner nach Tunesien im Januar 2013 und auf der Human-Law-Konferenz im Juni 2013 an der BTU Cottbus markierte für beide Seiten den Anfang einer andauernden Zusammenarbeit. „Wir kamen als Lernende nach Tunesien, nicht als Missionare für Demokratie“, sagt die Richterin von Hasseln-Grindel. Im Gespräch konnte man sich schnell darauf einigen, dass die gegenseitige Achtung und Anerkennung der Kulturen eine Grundvoraussetzung für jede Verständigung ist. „Achtung aber setzt voraus, dass man dem anderen zuhört, sich für seine Meinung interessiert und ihn folglich mit abstimmen lässt, egal ob die Person Mann oder Frau oder gar ein Kind ist. Das ist dann Demokratie und dieser Argumentation konnten viele folgen.“ Hier der vollständige DAAD-Bericht.

In den Stimmen zu Human Law äußern sich

  • Prof. Wolf Dieter Hasenclever, Präsident des Landesamtes für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NILS) des Landes Niedersachsen a.D.
  • Hartmut Kilger, Präsident des Deutschen Anwaltvereins a.D., Mitglied des Menschenrechtsausschusses des DAV
  • S.E. Napoleon Mariona, Gesandter zur Vertretung von Universitäten aus 19 lateinamerikanischen Staaten
  • Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Justizsenatorin a.D.
  • Prof. Dr. jur. Dieter Rössner Arbeitsschwerpunkte: empirische Kriminologie, empirisch orientierte Kriminalprävention, soziales Normlernen, Täter-Opfer-Ausgleich, Ursachen und Prävention von Gewalt
  • Dr. Dariusz Schmidt, Hochschullehrer Universität Warschau

 

Hinter dem Horizont geht`s weiter

Die Corona Pandemie hat gezeigt, wie empfindlich unser gesamtes gesellschaftliches und wirtschaftliches System ist und wie schnell es wie ein Kartenhaus zusammen brechen kann. Das sollte aber keine Anlass für Vogelstraußpolitik sein, sondern Motivation, das kostbare Gut des Lebens in einer freiheitlichen pluralen Demokratie neu zu beleben.

Radikalisierungtendenzen steigen. Eine starke Tendenz von Wählern geht dahin, das demokratische System zu verlassen! Das hatten wir vor knapp 100 Jahren doch schon einmal?

Es gilt deshalb, die Bewohner unseres Landes  jetzt – nicht nur gegen das Corona-Virus-, sondern auch gegen das „Antidemokratie-Virus“ nachhaltig  zu immunisieren.

Human Law:

Vom Präventionsprojektmodus in den gesamtgesellschaftlichen Erziehungs- und Bildungsmodus.

Notwendig sind: Schnellstmögliche Schulung von Menschen aller Alters- und Bildungsschichten in regionalen wie in überregionalen Zusammenhängen für den friedlichen und gleichberechtigten Umgang in einer globalisierten, zivilen Bürgergesellschaft.

Denn: Human Law kann nur wirken, wenn sich jeder in unserer Gesellschaft nachhaltig an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe mit Verantwortung an genau dem Platz beteiligt, an dem er sich gerade befindet.

Wir appelieren an verantwortungsbewußte Politiker, Medien, Unternehmer und alle weiteren Institutionen in Staat und Gesellschaft, dazu beizutragen, dass möglichst schnell eine dauerhafte Human-Law Schulung der Bewohner durchgeführt werden kann, damit sich der größte Teil der Bevölkerung wieder sicher und mental wohl fühlen kann.

Kulturenvielfalt, wirtschaftliche Interessen und soziale Gerechtigkeit sind keine trennenden Elemente, sondern Faktoren gegenseitiger Achtung.

Vom Studienfachmodus in den Fachbereichsmodus

Damit Human Law nachhaltig funktionieren kann, muss es auch wissenschaftlich weiter systematisiert und an den Universitäten nicht nur als Lehrfach, sondern als ganz neuer Fachbereich aufgebaut und – i.S. einer internationalen Wanderuni – gelehrt werden.

Es gibt viel zu tun. Packen wir es an !