Verein Recht und Gesellschaft

Verein Recht und Gesellschaft

Schirmherr Prof. Dr. Dr.h.c. mult. Arthur Kaufmann († 2001)

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Der Verein Recht und Gesellschaft e.V. ist der “Mutterverein” des Bundesverbandes der Jugendrechtshäuser Deutschland e.V.

Ziele

Der am 1. September 1994 in Oldenburg i.O. auf Initiative des Gründungstrios Prof. Dr. Bernd Guggenberger, Sigrun v. Hasseln und Dr. Roland Makowka. gegründete, bundesweit tätige „Verein Recht und Gesellschaft e.V.“ ist eigenständig, überparteilich, überkonfessionell und lediglich den Bestimmungen seiner Satzung und dem geltenden Recht unterworfen.

Der Verein Recht und Gesellschaft e.V. bezweckt abseits von Wahl-, Interessenvertretungs-, Behörden- und sonstigen Zwängen in Zusammenarbeit mit tragenden gesellschaftlichen Institutionen die empirische, interdisziplinäre Erarbeitung und die möglichst weitgehend praktische Umsetzung eines Konzeptes für ein zeitgemäßes und funktionstüchtiges Recht, welches trotz wachsender sozialer Probleme, Perspektive- und Orientierungslosigkeit von allen Teilen der Bevölkerung freiwillig eingehalten wird, deshalb steigender Kriminalität und beginnender Anarchie sowie Barbarei entgegenwirkt und dadurch das freiheitliche und friedliche Zusammenleben der Menschen in der Demokratie – als Alternative zum Polizei- und Überwachungsstaat – aufrecht erhält.

Die alltäglichen Nöte der „Menschen an der Basis“ sind ebenso zu berücksichtigen wie Sparzwänge der Justiz!

Eine wichtige Prämisse für die vielgestaltigen Überlegungen ist die Rechtsphilosophie des am 11. April 2001 verstorbenen Schirmherrn des Vereins Recht und Gesellschaft Prof. Dr. Dr. Arthur Kaufmanns, die wiederum auf der Rechtsphilosophie seines Lehrers Gustav Radbruch aufbaute.

Im Verein Recht und Gesellschaft e.V. wurden – schon vor seiner Gründung – die Einrichtung von Bürgerrechtszentren mit multisozialen Funktionen befürwortet zur schnellen Konfliktvermeidung und -schlichtung. Rechtsbibliothek, Rechtsunterricht und Rechtsberatung für jedermann, Klagemauer, School of human law, Gesprächskreise für Alleinerziehende und Verschuldete, Generationen- und Nationentreff mit Anschluss an die internationale Datenautobahn des Rechts, soziale Vermittlungsdienste, Verbraucher und Schuldnerberatung, zentrale Sachverständigen- und Dolmetscheranlaufstelle, Schulungszentren für Straffällige, Schieds- und Schlichtungsstellen zur sofortigen Erledigung von Bagatellstreitigkeiten. Erst nach Ausschöpfung dieser Möglichkeiten könnte das im selben Gebäude befindliche, für alle Streitigkeiten zuständige, einheitliche Bürgergericht angerufen werden (vgl. v. Hasseln, Deutsche Richterzeitung 1993, 57 ff, 1994, 121 ff.).

Als unabdingbar wird die Vermittlung von Rechtsbewusstsein als gesamtgesellschaftliche Basisaufgabe eines demokratischen Rechtsstaats in allen Bereichen der Bevölkerung gesehen, mit der in frühester Kindheit begonnen werden sollte. Aus diesem Impuls heraus wurde das Modell des Jugendrechtshauses als Börse rund um das Recht für junge Leute und ihre Erziehenden sowie der Jugendrechtsschule (school of human law) konzipiert.

Schirmherrschaft

Im Gedenken an Arthur Kaufmann

Der Rechtsphilosoph Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Arthur Kaufmann war Schirmherr des Vereins Recht und Gesellschaft e.V. und fasziniert von der Idee der Jugendrechthäuser und ihrer Umsetzung in die Praxis. Bei Veranstaltungen beteiligte er sich durch Beiträge und hatte die Absicht, sich auch mit Büchern in die Jugendrechtshausidee einzubringen. Er sah den Werkstattband „Das Jugendrechtshaus 2000“, der vom Bundesverband satzungsgemäß in die Praxis umgesetzt werden soll, als einen sehr guten Weg an, um Rechtsbewusstsein (i.S.d. umfassenden Rechtsbegriffs) mit Hilfe der (im Buch in Grundsätzen niedergelegten) Rechtspädagogik in den Erziehungs- und Bildungsalltag transformieren zu können.

Der Tod Arthur Kaufmanns am 11. April 2001 ein Jahr vor der Gründung des Bundesverbandes war menschlich und fachlich ein unersetzbarer Verlust für die gesamte Jugendrechtshausidee. Da die Konzepte des Jugendrechtshauses letztlich auf seiner Philosophie (Arthur Kaufmann, Rechtsphilosophie, München 2. Aufl. 1997) aufbauen, wird sein Andenken nicht nur im Verein Recht und Gesellschaft, sondern auch im Bundesverband der Jugendrechtshäuser bewahrt.

Nach seinem Ableben hat der Verein Recht und Gesellschaft e.V. am 14. April 2001 folgende Presseerklärung herausgegeben:

Der Rechtsphilosoph Arthur Kaufmann ist tot
Der Verein Recht und Gesellschaft e.V.
trauert um seinen Schirmherrn.

 Am 11. April 2001 starb der bedeutendste deutsche, international renommierte Rechtsphilosoph Prof. Dr. jur. Dr. h.c. mult. Arthur Kaufmann im Alter von 77 Jahren in seinem Wohnort München.

Arthur Kaufmann gehörte zu den wenigen Gegenwartsphilosophen, die nicht an den drängenden Problemen unserer Zeit und unserer Gesellschaft vorbeigingen. So widmet sich seine in etwa 20 Sprachen übersetzte Rechtsphilosophie neben den klassischen Themen wie Recht und Moral, Rechtsstaat und Demokratie zu einem großen Teil der sozialen Gerechtigkeit. Er bezog unter anderem Stellung zu Ökologie, Reproduktionsmedizin, Humangenetik, Menschenklonen, Rechte der Natur, Tierversuchen.

Schwangerschaftsabbruch, Sterbehilfe, Atomwaffen, Pluralismus und Risikogesellschaft. Bis zu seinem Tod aktualisierte er sein Kapitel „Bioethik“.

Mit Arthur Kaufmann, einem Schüler Gustav Radbruchs, verliert der Verein Recht und Gesellschaft e.V. einen unersetzbaren Schirmherrn. Niemand konnte das, was der Verein anstrebt, besser in seiner Person vereinen: Die klare wissenschaftliche Gedankenführung bei der Lösung grundlegender Probleme, der pragmatische Ansatz des früheren Richters bei dem Versuch, gefundene Lösungen in die Praxis umzusetzen und vor allem: die gelebte Güte des Herzens, die jedem Menschen vermittelt, dass er mit seiner Person und seinem Sosein ernst genommen wird. So war für den Befürworter der vom Verein Recht und Gesellschaft ins Leben gerufenen Jugendrechtshäuser der rechtsphilosophische Dialog mit der Jugend unabdingbar.

Die Vorsitzende des Vereins Recht und Gesellschaft e.V., Sigrun v. Hasseln, und Arthur Kaufmann hatten sich zu einem Grundlagengespräch über die Zukunft unserer Gesellschaft und unserer Jugend am 3. Mai in München verabredet. Die Initiatorin von Jugendrechtshäusern hatte sich davon weitergehende Impulse für den Inhalt der von ihr begründeten Rechtspädagogik erhofft. Die Rechtspädagogik versucht, u.a. im Geist der Rechtsphilosophie Arthur Kaufmanns jungen Menschen Rechtsbewusstsein, grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens sowie grundlegende Rechtskenntnisse möglichst früh als Bestandteil ihres Alltags erfahrbar und begreifbar zu machen.

Entsprechend dem Wunsch Arthur Kaufmanns, den er Sigrun v. Hasseln gegenüber beim letzten Telefonat am 7. März 2001 im Hinblick auf sein Lebenswerk äußerte, hat sich der Verein Recht und Gesellschaft e.V. und der aus ihm hervor gegangene Bundesverband der Jugendrechtshäuser sowie die Akademie für Rechtskultur und Rechtspädagogik für eine Umsetzung seiner rechtsphilosophischen Ansätze im normalen Alltag und in der gerichtlichen Praxis eingesetzt. Seine Ansätze sind – ebenso wie die Rechtsphilosophie von Gustav Radbruch – Grundlagen der Rechtspädagogik /Human Law. Der Begründer des „kategorischen Imperativs der Toleranz“ hatte bescheiden geäußert: „Jeder Richter, der dies versucht, macht mich glücklich. Ich wüsste dann, dass ich nicht ein Leben lang umsonst gearbeitet habe.“

Arthur Kaufmann war die Toleranz ganz besonders wichtig. So lautete der von ihm begründete Kategorische Imperativ der Toleranz:

Handle so, dass die Folgen deiner Handlung verträglich sind mit der größtmöglichen Vermeidung oder Verminderung menschlichen Elends.

Geschichte des Vereins Recht und Gesellschaft e.V.

Die Zeitgeistreise des Philosophen Guggenberger als erster Impuls „etwas tun zu müssen“

Alles begann mit einer „Zeitgeistreise“ des Philosophen und Politologen Prof. Dr. Bernd Guggenberger auf dem Deutschen Richtertag im September 1991 in Köln. Guggenberger irritierte das gesetzte Publikum mit einer Charakteristik der Vorlieben des postmodernen Menschen: „Spiele mit der Sinnlosigkeit“, „Nonsensmaskeraden“ in einer Zeit, in der „alles unscharf“ werde „im subatomaren Raum“. Die Diskrepanz zwischen dem im „Nirgendwo treibenden“ „aktuell lebenden“ Menschen und seiner – noch monarchistisch anmutenden – Rechtsordnung hätte nicht offenkundiger auf den Punkt gebracht werden können.

Projektgruppe Justizreform

Den Impuls aufgreifend bat Sigrun v. Hasseln die Herren Prof. Dr. Bernd Guggenberger und Dr. Roland Makowka, den damaligen Präsidenten des Landgerichts Hamburg und Autor des Buches „Das humane Gericht“, gemeinsam „etwas“ zu tun, und zwar für „Ein neues Recht für eine neue Gesellschaft“. Im März 1992 gründeten sie in Bremen die Mini-“Projektgruppe Justizreform“. Zunächst sollte nur ein Sammelbändchen für ein bürgernahes Recht heraus gegeben werden.

Gründung des Vereins Recht und Gesellschaft e.V.

Bald wurde deutlich, dass die sich aufdrängenden Fragen nicht in einem kleinen Band abhandeln ließen. Zudem vergrößerte sich die Gruppe der Autoren in spe ständig. Um als Gruppe besser ansprechbar und aussagefähig zu sein, gründeten sie schließlich am 1. September 1994 den bundesweit tätigen „Verein Recht und Gesellschaft e.V.“

Jugend hat Recht

Die zahlreichen rechtsphilosophisch-rechtspolitischen Beratungen führten im Ergebnis dazu, auch einen Bereich Jugend einzurichten. Denn es war schnell klar geworden, dass die Überlegungen rund um ein bürgernahes Recht bei der Jugend beginnen müssen. Diese aber wurde allenfalls unzulänglich an unsere Rechtsordnung heran geführt. Um zu prüfen, ob Jugend überhaupt für die „trockene Materie Recht“ erreichbar ist, wurde im Rahmen des Vereins Recht und Gesellschaft e.V. am 8, Juni 1996 in Oldenburg der bundesweite Aktionstag „Jugend hat Recht“ durchgeführt. Hier wurde Recht zu einem rundum fröhlichen Erlebnis gemacht und war ein großer Erfolg.

Die Gründung des ersten Jugendrechtshauses

Auf der Basis des Aktionstages Jugend hat Recht wurde noch im selben Jahr, im Dezember 1996, das erste Jugendrechtshaus in Oldenburg gegründet.

Mutterverein aller Jugendrechtshäuser

Der Verein Recht und Gesellschaft e.V. begleitete die ersten Jugendrechtshäuser dann in die Praxis. Es entwickelte sich nach und nach eine eigene „Jugendrechtshausbewegung“.

Bundesverband der Jugendrechtshäuser Deutschland e.V.

Da der Verein Recht und Gesellschaft e.V. jedoch weniger praktische Projekte im Alltag betreiben, sondern vielmehr interdisziplinär rechtspolitisch vordenken, forschen und Impulse für viele Bereiche des Zusammenlebens in der interkulturellen Gesellschaft geben wollte, wurden auf Initiative des damaligen Präsidenten des Landgerichts Cottbus und Vorsitzenden des Vereins Cottbuser Jugendrechtshaus e.V., Joachim Dönitz, die Bereiche „Jugendrechtshaus“ und „Jugendrechtsschule“ aus dem Verein Recht und Gesellschaft e.V. ausgegliedert und unter das Dach des am 28. Mai 2002 in Berlin gegründeten „Bundesverbandes der Jugendrechtshäuser Deutschland e.V.“ gestellt. (Zur Geschichte der Jugendrechtshäuser vgl. unter Bundesverband der Jugendrechtshäuser.)

Veranstaltungen und Mitgliederversammlungen

Liste von Veranstaltungen und Jahresmitgliederversammlungen des Vereins Recht und Gesellschaft e.V. (PDF-Datei)

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